Netzneutralität

Was wäre, wenn Porsche den Autobahnbetreibern in Zukunft eine Gebühr bezahlen müsste, damit jemand mit seinem Porsche die Autobahn benutzen dürfte? Natürlich werden die Straßen ja bereits über Steuern von jedem bezahlt. Aber wieso sollte man von einer Firma wie Porsche nicht eine zusätzliche Gebühr kassieren, denn immerhin verstopfen die Porsches ja nur deswegen die Autobahn, weil Porsche Autos herstellt.

Aber wenn wir schon dabei sind: könnten wir von Volkswagen gleich noch viel mehr Geld verlangen, denn von diesen Autos fahren noch viel mehr auf den Autobahnen?

Eine andere Option wäre, dass Porsche den Autobahnbetreibern eine Summe Geld bezahlen würde, damit alle Porsche-Fahrer bevorzugt (also schneller) über die Autobahnen rasen dürften, zum Beispiel, indem die linke Spur sofort für Fahrzeuge anderer Hersteller gesperrt würde, sollte sich in einiger Entfernung ein Porsche von hinten nähern. Man könnte auch gesetzlich vereinbaren, dass ein Porsche immer unbedingtes Überholrecht hat, also Fahrer anderer Marken sofort auf die rechte Spur wechseln müssten.

Je nach Höhe der Zahlung eines Autoherstellers, könnte dies aber auch für einen VW-Up gelten. Wer viel zahlt, darf die Autobahnen schneller nutzen.

Irgendwann würden die Autobahnbetreiber dann von allen Autoherstellern als Nutznießer der Autobahnen (ohne Autohersteller bräuchten wir ja keine Autobahnen) Gebühren verlangen. Wer nicht zahlt, hat Pech gehabt. Autos einer zahlungsunwilligen Firma dürften dann die Autobahn nicht mehr benutzen. Dafür nötige Sperren und Kontrollen würden entsprechend installiert werden.

Nun sind in Deutschlanden die Autobahnen im Staatsbesitz. Lasst uns die Autobahnen an mehrere private Unternehmen verkaufen. Diese würden dann mit den Autoherstellern unterschiedliche Verträge aushandeln, so dass ich mit meinem Lancia nie so genau wüsste, welche Autobahn ich denn überhaupt benutzen dürfte und mit welcher Geschwindigkeit.

Alles zu weit hergeholt?

Genau das passiert gerade mit dem Internet als Daten-Autobahn. Das Schlüsselwort dafür ist Netzneutralität bzw. der Verlust derselben.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass sich die betroffenen Unternehmen und die Kunden schon irgendwie einigen werden, und die Netzneutralität somit automatisch gewährleistet wird.

Auch in meiner Lieblings-Zeitschrift ct wird das Thema Netzneutralität in Ausgabe 02/2012 unter dem Titel Private Zollschranken angesprochen, wenn auch recht kurz und einseitig. Unter anderem werden dort die Geschäftsführer mehrerer Telekommunikationsfirmen zitiert wie der CEO der Vodafone D2 GmbH:

Die Googles und Facebooks nutzen europäische Netze intensiv und erwirtschaften Traumrenditen, ohne sich mit einem Cent an den Milliardeninvestitionen in die Qualität und Zukunft der Netze zu beteiligen. Europa investiert, Amerika kassiert.

Mag sein, dass ich das Thema nicht ganz verstanden habe, aber Google benutzt die deutschen Telekommunikationsleitungen doch gar nicht. Das tun wir Kunden. Und ich jedenfalls bezahle jeden Monat brav dafür.

Müsste nicht viel mehr Google Geld von der Telekom verlangen? Denn ohne Service-Anbieter würde kein Kunde monatlich Herrn Obermann und dessen Mitarbeiter mit seinem Geld beglücken.

„Liebe Telekom, zahl uns jährlich 50 Mio Euro, sonst erlauben wir den Nutzern, die Kunde der Telekom sind, nicht mehr den Zugang zu unserer Suchmaschine!“

Noch viel mehr Infos und eine Unterschriften-Sammlung PRO Netzneutralität gibt es auf den Seiten der Initiative Pro Netzneutralität.

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